Na, was fuer ein Zufall. Ich liege seit einer Stunde wach im Bett und mache mir Gedanken. Dann habe ich mir ueberlegt, ein Paar dieser Gedanken hier zu posten, weil sie mein Leben mit der Bulimie betreffen. Dass es heute genau der 200. Tag meines "Kampfs" ist, wusste ich nicht. Passt aber gut zu einem Retrospektiven-Post.
Wie sehr die Bulimie meine Gedanken und Entscheidungen frueher beeinflusst hat, merke ich erst jetzt. Ich dachte immer, es waere ein Problem, dass nur mein direktes Handeln betrifft und doch habe ich mein Leben sehr danach gestaltet.
Zwei Beispiele: mein Freund und meine aktuelle Wohnung. Die finde ich ziemlich markant, da sie immernoch Teil meines Lebens, und mir auch sehr wichtig sind ;-)
Als ich meinen Freund zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich mir "Wow, wenn die B... dann endlich mit ihm zusammen ist, dann hat sie wirklich Glueck". Denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass er sich fuer mich interessieren wuerde (mangelndes Selbstbewusstsein, hat sich deutlich verbessert). Und dann , als ich ihn ohne Mantel etc. gesehen habe, dachte ich: der hat keine Model-Figur (ehemaliger Kajak-Wettkaempfer, da ist man "staemmiger"), deshalb wird er seine Freundin nie damit stressen, dass sie super-schlank sein muss. Und das war fuer mich der Traum-partner. Weil ich in der Zeit ueberzeugt war, dass sobald die Frau etwas dicker wird, die meisten Maenner keine Beziehung mehr wollten. Sehr gut fuer die Gleichberechtigung, nicht? Ich hatte Angst davor, dass meine Beziehungen scheitern, weil ich zu sehr zunehme und habe mich deshalb in einen verliebt, der von vornherein nicht der schlankste ist.
Zum Gluck war das nur ein Nebengedanke, sonst waeren wir heute nach 2 Jahren nicht mehr ein Paar. Ich liebe ihn wegen anderer Sachen, die ich in der Zeit in ihm entdeckt habe. Weil ich inzwischen weiss, dass in Liebe viel mehr steckt, als den anderen super-toll aussehend zu finden. Ich bereue in der Hinsicht nichts und trotzdem weiss ich, dass ich mich heutzutage nicht so schnell in ihm verliebt haette. Weil sich mein Weltbild ein bisschen veraendert hat.
Das zweite ist meine Wohnung. Und das ist warscheinlich ein noch markanteres Beispiel. Nach 5 Monaten Beziehung, habe ich mich entschieden, mit meine Freund und seinem besten Kumpel zusammenzuziehen. Zur Anfangsentscheidung muss ich noch sagen, dass eigentlich noch ein guter Freund von mir noch dazugehoeren sollte, aber zur Grundidee aendert es nichts.
Ich wohnte damals in einer Zwecks-WG, hatte mit meinen Mitbewohnern wenig zu tun und konnte in der Wohnung tun und lassen, was ich wollte. Klar, Fressanfaelle ohne Ende. Mein Freund wohnte damals in einem voellig anderen Viertel, dass heisst, er war auch keine 24 Stunden am Tag bei mir. Und ich war dermassen von ihm abhaengig. als es darum ging, es ohne Essanfall auszuhalten, dass ich mich bei der Wohnungssuche richtig aufgezwungen habe. Ich hatte Angst, weniger mit ihm zu tun zu haben, wenn er mit einem Freund wohnt. Und vor allem habe ich diese neue Wohnung, mit Leuten, die mir wichtig sind, als Mittel gesehen, aus der Bulimie herauszukommen. Denn ich wollte nicht, dass die anderen es mitbekommen.
Das neue Bad/Klo sollten fuer mich "heilig" werden, ich wollte nie in diesen erbrechen. Ortswechsel sollte wie ein Wunder gegen die Bulimie wirken.
So kam es dazu, dass ich mit meinem Freund zusammengezogen bin. Ich muss leider zugeben, dass das, was ich gerade erklaert habe, meine Hauptmotivation war. Und ich habe es auch eine Zeit lang in dieser Wohnung ohne Essanfall ausgehalten. Aber geheilt hat es mich nicht, was jeder, der einen gesunden Menschenverstand hat, haette voraussehen koennen. Aber ich weiss auch nicht, wie sehr der Wohnungswechsel mir doch geholfen hat. Denn ich bin gluecklicher, als in meiner alten WG, das steht fest. Mit Menschen zu wohnen, die ich liebe/mag und mit denen ich vieles erleben kann, hat mir warscheinlich geholfen.
Ich bereue diese Entscheindung also auch nicht. Aber teilweise hat es mich in eine schwierigere Lebendssituation gebracht. Damals habe ich nur das eine gesehen, und vieles uebersehen. Was passiert, wenn nach 2 Jahren (eigentlich eine ziemlich kurze Zeit) meine Beziehung doch in die Brueche geht? Eine Trennung muesste meinen Umzug einleiten, ich muesste alles neu organisieren. Ich weiss, ich koennte es schaffen, aber schaeme mich dafuer, dass ich es nicht ernsthafter betrachtet habe. Weil die Bulimie einfach alles uebertrumpft hat und ich keine anderen Probleme sehen konnte.
Diese etwas negativeren Gedanken werden bleiben. Und damit ist mein Post zuende. Etwas positiver ist, dass es gestern 125 Tage geworden sind, also 4 Monate und 2 Tage. Das ist nicht schlecht.
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